10 Dinge, die mich Krankenhaus und Operation gelehrt haben

Mittlerweile sind sechs Wochen vorgegangen, seitdem ich an meinem rechten Sprunggelenk operiert wurde – und noch immer muss ich über die Operation und die damit verbundene Zeit im Krankenhaus nachdenken. Dabei musste ich wieder einmal feststellen, dass ich nicht nur eine wundervolle Freundin und eine großartige Familie, sondern auch tolle Menschen um mich herum habe, die mich bei meiner Genesung – und beim Erreichen meiner Ziele – tatkräftig unterstützen.

Außerdem gab es während meiner Zeit im Krankenhaus, aber auch danach einige Themen, die mir eher zufällig begegnet sind und über die ich noch lange nachdenken musste. Gelegenheit hatte ich dazu ja genug. Beispielsweise habe ich während meines Aufenthalts im Krankenhaus des Öfteren auf dem Flur gesessen, um der „Trash-TV-Vorliebe“ meiner beiden Bettnachbarn aus dem Weg zu gehen – und das rege Treiben auf Station zu beobachten.

Wie auch schon bei meinem Artikel über die liebevoll genannten „Scheißtage“ findest Du nachfolgend die 10 Dinge, die mich mein Aufenthalt im Krankenhaus, aber auch die Zeit danach sowie die vielen Gespräche mit Familie und Freunde, Ärzte und PflegerInnen gelehrt haben…

Was mir nach Krankenhaus und Operation bewusst geworden ist:

1. Es gibt Freunde im Leben und es gibt Freunde fürs Leben.

Freunde kommen; Freunde gehen. In einer Zeit, in der sich alles nur noch um Follower und Abonnenten dreht, sind neue Freunde schnell gefunden – und alte mit nur einem Klick entfernt. Doch unabhängig der Filterblase sind es vor allem die Freunde, für die Du die Jogginghose nicht ausziehen, die Wohnung putzen oder die Getränke aus dem Kühlschrank holen musst, auf die es ankommt.

Ich weiß, ich bin seit Jahren selber Teil des Social Media Zirkus und doch bin ich froh, dass ich Freunde habe, die mich nicht nur so nehmen wie ich bin, sondern auch in „nicht instagrammablen“ Zeiten zu mir halten und mich unterstützen.

2. Es lohnt sich Ziele zu setzen, die einen morgens motiviert aufstehen lassen.

Nach der Diagnose „Ruptur des Syndesmosebandes“ war mir klar, dass sich der Heilungsprozess über einen längeren Zeitraum hinziehen wird. So wurden operativ das Schien- und Wadenbein mit zwei Stellschrauben fixiert, anschließend durfte ich meinen Fuß sechs Wochen nicht belasten. Keine einfache Zeit, schließlich war ich noch nie der geduldigste Typ – und ich hasse es einfach abzuwarten.

Was mir in dieser Situation geholfen hat, waren die vielen kleinen, aber auch die nächst größeren Ziele, die ich habe. Beispielsweise ist es mir wichtig zum ersten Punktspiel der Rückrunde wieder als Fußballtrainer an der Linie zu stehen. Außerdem wartet in der Münchner IWC Boutique noch meine neue Uhr auf mich, die ich eigenen Fußes dort abholen werde.

3. Läuft! Krücken fördern die eigene Kreativität, soviel ist sicher.

Hast Du schon mal probiert mit zwei Krücken und einer Schale Müsli heile von der Küche ins Wohnzimmer zu kommen? Keine einfache Aufgabe, kann ich Dir sagen – und doch eine gute Chance, um die eigenen Kreativität wieder in Schwung zu bringen.

Mittlerweile habe ich sechs Wochen Krücken-Erfahrung und kann behaupten, das viele Produkte einfach schlecht bzw. für den „gesunden Menschen“ gestaltet sind. Beispielsweise habe ich noch nie über die Dyson Händetrockner, die auf Gaststätten- oder Kunden-WCs hängen, so viel nachgedacht. Mit Krücken jedoch sind diese unbrauchbar. Der Grund: Das abtropfende Wasser sammelt sich meistens unter dem Trockner und wird auf Fliesen zu einer echten Rutschgefahr.

Solltest Du also auf der Suche nach einer neuen Start-up Idee sein, dann solltest Du Dir zwei Krücken schnappen, eines Deiner beiden Beine hochbinden und probieren Deinen Alltag wie gewohnt zu meistern. Ich wette, nach sieben Tagen hast Du zwanzig Ideen gefunden, wovon mindestens eine genügend Marktpotential bietet, um damit erfolgreich zu werden.

4. Ein Krankenhaus ist ein Krankenhaus und kein 5-Sterne Hotel.

Während meiner Zeit im Krankenhaus (3 Tage) konnte ich rund um die Uhr feststellen, wie negativ die menschliche Grundhaltung heutzutage ist. Grundsätzlich machte es den Anschein, als sei das Glas immer halb leer, jedoch nie halb voll, sodass es auch ständig etwas zu Nörgeln gab.

Natürlich ist ein Krankenhaus nicht mit einem Luxusurlaub und einem 5-Sterne Hotel zu vergleichen, doch das muss es auch garnicht, schließlich ist die Zielsetzung eine ganz andere. Dementsprechend bringt es auch nichts sich fortlaufend über das vermeintlich schlechte Essen oder die zu kleine Glotze zu beschweren. Stattdessen sollten wir lieber unseren Kopf im Griff haben, da unsere Gefühle und Gedanken einen enormen Einfluss auf unser Wohlbefinden und den Heilungsprozess haben.

5. Meine Glaubenssätze machen es mir schwer Hilfe anzunehmen.

Streng dich an und sei stark! Geprägt von derartigen Glaubenssätzen viel es mir von Beginn an schwer Hilfe anzunehmen. Bereits in meiner Kindheit habe ich gelernt alleine zurecht zu kommen, doch plötzlich war ich – trotz meiner ausgeprägten Kreativität – auf jede Menge Hilfe angewiesen.

Inzwischen habe ich gelernt mit meiner vorübergehenden Schwäche umzugehen und bin froh, dass ich von allen Seiten so viel Hilfe bekomme. Sollte ich eines Tages wieder auf derartige Hilfe angewiesen sein, weiß ich, dass es schlauer ist diese dankend anzunehmen, um so den Heilungsprozess zu beschleunigen.

6. KrankenpflegerInnen lieben die einfachen Dinge. Ein Danke, zum Beispiel.

Im Gegensatz zu meinen sonstigen Krankenhauserfahrungen wurde ich dieses Mal von Beginn an herzlich aufgenommen. Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl eine weitere Nummer eines unpersönlichen Systems zu sein. Ganz im Gegenteil: Ich hatte das Gefühl, dass sich vor allem die KrankenpflegerInnen – im Rahmen ihrer Prozesse – Zeit für mich genommen haben, um mich bei meiner Genesung bestmöglich zu unterstützen.

Eine tolle Eigenschaft, die in Zeiten von Pflegenotstand und Personalmangel in Krankenhäusern oft nicht mehr zu leisten ist. Dementsprechend oft habe ich mich für den extra Joghurt oder den Tee zwischendurch bedankt – und war total überrascht, als eine Krankenpflegerin zur mir sagte, dass dies schon lange niemand mehr gemacht hat.

Doch gerade in Zeiten, in denen Ärzte und Pflegepersonal nur wenige Minuten Zeit pro Patienten haben, ist ein einfaches „Danke“ meiner Meinung nach das Mindestens. Außerdem ist es eine willkommene Abwechslung, müssen sich Krankenpflegerinnen sonst immer anhören, was alles schlecht läuft.

7. Definitiv! Kleine Schritte sind besser als keine Schritte.

Ehrlich gesagt bin ich nicht der Typ, der etwas aussitzt. Doch was blieb mir anderes übrig, als abzuwarten und sowohl den Knochen, als auch den Bändern die Chancen zu geben auszuheilen?!

Ich meine, in den ersten Tagen war es noch ganz cool einmal in Ruhe Playstation spielen oder ein spannendes Buch lesen zu können, doch bereits nach wenigen Tagen war es eine Farce. Das Gefühl des Stillstands hat mich kirre gemacht und ich wollte nur noch, dass es voran geht. Dabei war mir völlig egal wie, Hauptsache es ging voran.

Also habe ich täglich etwas für die Muskulatur, aber auch für die Fitness meines Sprunggelenks getan, sodass ich meinem Ziel, schnellstmöglich wieder fit zu sein, täglich einen kleinen Schritt näher kam.

8. Der menschliche Körper ist ein echtes Wunder, behandle ihn auch so.

Es ist mittlerweile sechs Wochen her, als die beiden Stellschrauben in mein Schien- und Wadenbein gebohrt wurden und noch immer finde ich es faszinierend, was der menschliche Körper alles aushält. Andererseits plagt mich auch mein schlechtes Gewissen, da mir mit der Operation bewusst geworden ist, dass ich mich in den letzten Jahren nicht sonderlich gut um meine Hülle gekümmert habe.

Zu leicht habe ich mich von diversen Ausreden leiten lassen, um nicht selber kochen oder zum Sport gehen zu müssen. Doch dass wird sich ab sofort wieder ändern, zumal eine der fünf Zentimeter langen Titanschrauben ab sofort als Mahnmal auf meinem Schreibtisch steht.

9. Irgendwo ist jemand glücklich, mit weniger als man selbst hat.

In den beiden Nächten während meines Aufenthalts im Krankenhaus habe ich nicht sonderlich gut geschlafen. Das lag zum Einen daran, dass ich kein guter Rückenschläfer bin, zum Anderen haben mich das lautstarke Schnarchen sowie das schmerzhafte Wimmern meiner Bettnachbarn wach gehalten. Doch kein Grund zur Beschwerde, schließlich war ich dankbar, dass meine Sportverletzung im Gegensatz zu den schwerwiegenden Diagnosen der beiden vergleichsweise harmlos war.

Im Grunde ist mir in den beiden Nächten bewusst geworden, wie wichtig es ist, nicht immer den Teufel an die Wand zu malen. Stattdessen sollten wir uns immer wieder bewusst machen, dass es uns, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern dieser Erde, in Deutschland ziemlich gut geht. Es gibt also keinen Grund, um immer einfach aufzugeben, denn irgendwo ist garantiert jemand glücklicher, mit deutlicher weniger als man selber hat.

10. Sport ist Mord – und trotzdem werde ich wieder gegen den Ball treten.

Ehrlicher Weise muss ich gestehen, dass es auf dem Weg in den Operationssaal einen Moment gab, indem ich darüber nachgedacht habe meine Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Doch bereits keine halbe Stunden später, nachdem die OP vorbei war, wollte ich davon nichts mehr wissen. Viel mehr habe ich den behandelnden Arzt – noch völlig benommen – mit den Worten „Hey! You never walk alone.“ im Aufwachraum begrüßt.

Außerdem hat er mir im Nachhinein erzählt, dass ich nach der Operation erst nicht wieder aus der Narkose aufwachen wollte, bis er mich schlussendlich gefragt hat, ob ich diese Saison nicht Meister werden wolle?! Zack, waren die Augen wieder auf – und ich werde auf jeden Fall wieder gegen den Ball treten.